Bundesligaschiedsrichter bringt mehr Klarheit zum Thema „Video-Assistenten“

06.06.2018 15:36 Uhr

Was macht eigentlich ein Video-Assistent? Und wonach entscheidet er, wann er in ein laufendes Fußballspiel eingreift? Um das Thema etwas verständlicher und greifbarer zu machen, ist am vergangenen Montag der Bundesliga-Schiedsrichter und Video-Assistent Patrick Ittrich zum Lehrabend der ostholsteiner Schiedsrichter nach Lensahn gekommen. Vielen Dank an die dort ansässige VR-Bank, in deren Räumlichkeiten sich neben vielen Schiedsrichtern aus Ostholstein auch Gäste aus dem Kreis Herzogtum-Lauenburg, Norbert Richter als Vertreter des SHFV und der 1. Vorsitzende des KFV Ostholsteins Klaus Bischoff versammelt hatten. Gespannt lauschten die rund 90 Anwesenden dem mitreißenden Vortrag von Ittrich, der beruflich als Verkehrslehrer bei der Polizei in Hamburg beschäftigt ist. Immer wieder bezog er das Publikum mit ein, sodass die Zeit wie im Flug verging. „Die Leute wünschen sich mit dem Video-Beweis  hundertprozentige Sicherheit und Klarheit“, so der 39-jährige. Diese kann aber nur bei faktischen Entscheidungen wie Abseits und der Strafraumgrenze gegeben werden. Hier gibt es keinen Spielraum. 

In Köln sitz der Video-Assistent mit einem Assistenten zusammen vor vier Bildschirmen, auf denen er die Übertragung auf Sky, das Live-Spiel und die jeweilige Situation zeitverzögert sehen kann. Hier gibt es jedoch statt eines HD-Bildes nur eine SD-Auflösung, anhand der die Entscheidungen getroffen werden müssen. Von zwei Operatoren werden Bilder aus verschiedenen Kameraperspektiven an den Video-Assistenten geschickt. Dieser soll eigentlich nur eingreifen, wenn es sich um eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung handelt. Das bedeutet, wenn alle im Fußball befindlichen Personen – also Zuschauer, Spieler, Trainer und Schiedsrichter – einer Meinung sind. Dies ist natürlich nie der Fall. Bei nicht faktischen Entscheidungen geht der Schiedsrichter nach einem Hinweis vom Video-Assistenten immer raus an den Bildschirm, um sich die Spielsituation anzugucken, da er die Entscheidungsgewalt hat.

 

Patrick Ittrich nahm sich auch die Zeit für persönliche Gespräche mit den Schiedsrichtern und gab ihnen Tipps, die ihm selber geholfen haben. So findet er, dass es Trainingssache ist, keine spontanen Entscheidungen in hektischen Situationen, zum Ende des Spiels oder in der Verlängerung zu treffen, sondern weiterhin seine Ruhe zu bewahren und sicher aufzutreten. Er selber trifft seine Entscheidungen so, dass er mit sich zufrieden ist, die Regeln aber nicht beugt.

Text: Nadine Rogge, Fotos: Marvin Schreiber